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Verse und andere Gereimtheiten

Kategorie: Gedicht (Seite 1 von 8)

Ermächtigung

Es hat, an einem Ostseestrand,
Breit hingestreckt die Flossen,
Ein süßer Fisch im Dünensand
Ein Sonnenbad genossen.  

Da kam ein Mann mit Hut daher,
Doch einer mit Manier,
Und sprach: Da drüben liegt das Meer,
Was also liegst du hier?  

Geduld, mein Freund, noch eine Weile! 
Bis ich dir sag: Es flute! 
Den guten Angler, den schickt keine Eile.
Doch hol schon mal die Rute!

Der Philosophische Tresen

Uneingeschränkt empörte Hegel.
Es war der unerhörte Pegel!

Derweil blieb Schopenhauer trocken
Auf seinem Stuhl (in Trauer) hocken.

Die Gäste wieder fanden Dichte
Im Blick des redundanten Fichte.

Ohnmächtig soff sich Bacon tot,
Wo sich ihm Spaß an Theken bot.

Vom Flaschenbier bestellte Kant
Nur das, was unter Kälte stand.

Schon machte fette Beute Marx. 
Die Reaktion der Meute barg’s.

Verlor sich dann Heidegger mehr,
Zog über ihn Gemecker her.

Gezeichnet von der Welt: Descartes,
Der rauchen in der Kälte war.  

Dann traf der Schnaps, zum letzten Schock,
Den weithin überschätzten Locke.  

Worauf zum Schluss Adorno stumpf
Vom Wirt verlangte Storno dumpf.

Kritische Theorie

Der Winter geht
Auf leisen Sohlen.
Und noch zu spät.
Wir strecken Kohlen  

Und trinken Wein
Wie Philosophen,
Der Mai tritt ein,
Du gähnst am Ofen.

Das Puzzle

Es dachte sich ein Dussel:
Ich stehle aus dem Puzzle
Ein Teil, dass sich sodann
Kein Bild mehr fügen kann,
Das Sinn in sich enthält,
Worauf es bald zerfällt.  

Indes geschah: die Stücke
Umschlossen fest die Lücke,
Im Bund bewährt durch Jahre,
Das Ganze ist das Wahre.
So fand in der Betrachtung
Auch das, was fehlt, Beachtung.

Einseitige Abrüstung

Der Sommer triumphiert
Im Bunde mit Gelüsten,
Man zeigt sich ungeniert
Mit Schwänzen und mit Brüsten.
Gen Winter, der uns friert,
Verstehn wir uns zu rüsten.
Wir wehren uns nach Kräften
Und sparen mit den Säften.

Nachruf To Go

Oder: Über allen Zipfeln ist Ruh II

Vorliegt kein Werk.
Was ich zuletzt betrachte:
Still ruht der Zwerg,
Der von sich reden machte.

Kleinprosa Hbf

Wie unbarmherzig darf ein Schicksal morden,
Uns schnöd zur Morgenstunde zu entpfropfen,
Aus deinen Kissen gleich und vor die Tür
Zu treiben mich, durch nasses Laub und über
Die kalten Bürgersteige der Provinz.
Wonach dein kleiner Kommunist dann steht
Umwettert grob, am Großenhainer Bahnhof.
Und grollt, weil die AG der Deutschen Bahn
Verspätet ist um zwanzig ewig blöde
Minuten gar, dass er selbst friert gepackt
In deine durch Polackenkippen arg
Verrauchte multifunktionale Jacke,
Wo er stattdessen doch viel lieber noch
Umschlungen wär von deinen Armen, weich
Gedrückt an deinen schönen Busen, Liebste!

Der Pool lag im Schatten

Wir tafelten herum,
Vergessene Attrappen,
Die Szene matt und stumm.
Zu träg, uns zu berappen,

Verströmten wir getrennt,
Was wir einander hatten,
Die Träume insolvent,
Der Pool lag im Schatten.

Skandal à la Carte

Man fühlte sich zunächst beinah erschreckt
Und witterte für einen Augenblick Revolte.
Jedoch das Feigenblatt hielt nichts versteckt
Von dem, was hinter Kunst nicht stehen sollte.
Dies wurde mit Erleichterung entdeckt
Von einer Jury, die nichts finden wollte.
Das Ärgernis, ganz nach der Art gediehen,
Bekam für diese Pietät den Preis verliehen.

Der Blickfang

Mein Blick verfehlte knapp sein Ziel,
Drauf er in deinen Ausschnitt fiel,
 
Wo er, in seinem dunklen Drang,
Auf steilem Pfad hinab sich schlang.
 
Auf einmal aber hing er fest,
Da wartet er nun auf den Rest.

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