Sudelseite

Verse und andere Gereimtheiten

Autor: Sudelseite (Seite 1 von 29)

Ermächtigung

Es hat, an einem Ostseestrand,
Breit hingestreckt die Flossen,
Ein süßer Fisch im Dünensand
Ein Sonnenbad genossen.  

Da kam ein Mann mit Hut daher,
Doch einer mit Manier,
Und sprach: Da drüben liegt das Meer,
Was also liegst du hier?  

Geduld, mein Freund, noch eine Weile! 
Bis ich dir sag: Es flute! 
Den guten Angler, den schickt keine Eile.
Doch hol schon mal die Rute!

Anarchist

Erich Mühsam ernährt sich von Eichhörnchen.

Richtige Nase

Der Ossi wischt sich seinen Po
Und hängt sich keinen Duft ins Klo.

Prioritäten

Bei einer Begegnung zweier Freunde trank der eine auf besonders abschüssiger Fahrt. Der andere fühlte sich bald um dessen Gesellschaft betrogen, als eine Konversation nicht mehr zustande kommen wollte. Weshalb er am folgenden Tag hinging, sich bei seinem maßlosen Freunde zu beschweren. Der hob hilflos die Schultern: »Dionysos hat die älteren Rechte«.

Der Philosophische Tresen

Uneingeschränkt empörte Hegel.
Es war der unerhörte Pegel!

Derweil blieb Schopenhauer trocken
Auf seinem Stuhl (in Trauer) hocken.

Die Gäste wieder fanden Dichte
Im Blick des redundanten Fichte.

Ohnmächtig soff sich Bacon tot,
Wo sich ihm Spaß an Theken bot.

Vom Flaschenbier bestellte Kant
Nur das, was unter Kälte stand.

Schon machte fette Beute Marx. 
Die Reaktion der Meute barg’s.

Verlor sich dann Heidegger mehr,
Zog über ihn Gemecker her.

Gezeichnet von der Welt: Descartes,
Der rauchen in der Kälte war.  

Dann traf der Schnaps, zum letzten Schock,
Den weithin überschätzten Locke.  

Worauf zum Schluss Adorno stumpf
Vom Wirt verlangte Storno dumpf.

Kritische Theorie

Der Winter geht
Auf leisen Sohlen.
Und noch zu spät.
Wir strecken Kohlen  

Und trinken Wein
Wie Philosophen,
Der Mai tritt ein,
Du gähnst am Ofen.

Das Vertrauen

Keiner weiß, wie man es findet. 
Alle meinen nur: es schwindet.

Die Saat des Bösen

Das Unkraut leugnet seine Wurzeln.

Liquiditätskrise

Er ist in eine Bank getreten
Und hat umsonst um Trank gebeten.

Trinkerdialektik II

»Mein lieber Hegel«, ächzte Kant:
»Es reicht, es mopst mir den Verstand.
Nützt uns der Alkoholmissbrauch?«
»Immanuel, sowohl als auch!«

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