Sudelseite

Verse und andere Gereimtheiten

Von hinten grinst der Lurch

Keiner je, der ’s nicht bereut hat,
Wenn er sich zu früh gefreut hat.
Wer nicht lernen will, der staune:
Unser Lurch ist guter Laune!

Noch den großen Bonaparte
Hatte er zuletzt genarrt.
Zeigte sich auf seinem Posten,
Grinste bärtig dort von Osten.

Weit geringere Gestalten
Ließen keine Umsicht walten,
Zogen stur ihr Ding noch durch
Als längst grinste unser Lurch.

Schließlich: Er kennt seine Leute,
Ja er wittert leichte Beute
Auch bei dir – man kann’s verstehn –
Hat man ihn schon oft gesehn.

An Prometheus

Da, wo der Mensch sich befreit sieht, strebt er entfesselt zum Throne.
Doch das Entfesselte wird selten das Menschliche sein.

Beamtensex

Sie hat zunächst konform genickt,
Worauf er sie nach Norm gefickt.

Ich sag schon einmal nichts

Die Gedanken sind frei
Wo es nicht mehr weiter geht
Und der Kaffee wird kalt
Der in deinem Fenster steht
Keine Zeit für alte Uhren
Neue Zeiger zu besorgen
Und ich sag schon einmal: nichts

Die verlorene Zeit
Die ist immer wieder schön
Und wir bleiben uns treu
Wenn wir uns verloren gehn
Keine Zeit für alte Uhren
Neue Zeit sich zu besorgen
Und ich sag schon einmal: nichts

Das Verlangen nach mehr
Ist die letzte Bastion
Und wir sinken ins Schwert
Das verdammte Bataillon
Es grüßen dich die Todgeweihten
Die zum Untergang befreiten
Au revoir, goodbye und: tschüss

Ein Nagetier mit vier Buchstaben?

Zeit

Neues von Erato

Die Muse träumt von edlen Herren,
Ins Dickicht sie hineinzuzerren.
Schon naht ein Prinz. Sie schläft doch nicht?
Wir wissen nur: Sie räkelt sich.
 
Ein Kleid verrät die hellen Hüften.
Doch wer vermag dies Rätsel lüften?
Ein Wind aus Dünen, abendlich,
Hat leichtes Spiel. Sie räkelt sich.
 
Zwei spitze Augen klopfen frech
An eine Wanne, die aus Blech,
Darinnen sie. Sie wird doch nicht
Entsteigen? Nun … sie räkelt sich.
 
Ein Schurke wollte sich empfehlen
Ihr räkelrecht das Herz zu stehlen.
Am Galgen baumelt nun der Wicht.
Sie schaut von fern und räkelt sich.
 
Odysseus, wärst du fort geblieben!
Hast dich am Mast längst aufgerieben.
Nicht nur Gesang verführte dich!
Sie kichert spitz und räkelt sich!
 
Im Südatlantik schwimmt ein Riff
Aus Eis – hindurch ein Kreuzfahrtschiff,
Es kracht im Stahl, der Rumpf zerbricht!
Im Rettungsboot: Sie räkelt sich.
 
Man denkt: So eine Bücherei,
Die sei von eitler Störung frei.
Da flackert schon das Leselicht,
Die Muse rutscht und räkelt sich.
 
Die allgemeine Sittlichkeit
Ist gen Erato nicht gefeit.
Lädt man sie vor ein Strafgericht,
Auf harte Bank. Sie räkelt sich.
 
Entgegen jener Antoinette,
Gezerrt des Nachts aus ihrem Bett,
Entmutigt sie der Kerker nicht,
Die Pritsche quietscht: Sie räkelt sich.
 
Sogar noch unterm Köpfehobel
Herzeigt sie ihre Glieder nobel.
Und wie das Beil herunterbricht,
Was tut sie noch? Sie räkelt sich.
 
EPILOG:
 
Der Weltgeist stopft sich ein paar Essen,
Pafft Schlot um Schlot erinnerlich.
»Was wollte ich noch gleich vergessen«?
Er hustet kurz. Sie räkelt sich.

Fragen der Definition

EIN GUTER MENSCH

Er mag keine Verbote, besteht aber darauf, dass dort, wo diese unvermeidlich sind, sich alle daran zu halten haben, einschließlich ihm.

EIN BÖSER MENSCH

Er mag Verbote, alle sollen sich daran halten, abzüglich ihm.

Kakophonie (für Emma)

Zu einem Stück von Haydn fanden
Zusammen sich fünf Musikanten.
Einander zugesellt von vorn:
Oboe, Klarinette, Horn
Nebst Flöte und zuletzt Fagott.
So quintisierten sie komplott.

Die Flöte traf den meisten Spaß,
Dass sie darüber ganz vergaß
Mitsamt Kollegen, allen vieren,
Im Einklang noch zu musizieren
Auch fand sie, dass besonders ist,
Wer sich hervortut als Solist.

Durch derlei Eitelkeit gestört,
Verstimmte sich der Rest empört.
Zwar ward noch immer vieles Schöne
Hineingelegt in ihre Töne,
Doch höhlte sich bald immanent
Das klangerfüllte Fundament.

Zuallererst die Klarinette
Die gern der Flöte Freiheit hätte,
Ihr dünkte, sich herauszuheben,
Sich ungebührlich zu beleben,
Wodurch sie sich vergriff im Ton,
Da fiel sie von der Leiter schon.

Sie fiel vornüber rein ins Horn,
Weshalb dasselbe drauf im Zorn
Gleich der Oboe zartes D#
Tritonisch auseinanderriss.
In diesen Schluss hinein im Trott,
Da furzte kläglich das Fagott.

Und die Moral von der Geschicht?
Die kümmert unsre Flöte nicht.

Der Stolz

Stets zeigt er sich, gleich wie genesen,
Als wäre alles nie gewesen.

Umschlag von Qualität in Quantität

Das kleinere Vergnügen ist stets das größere Übel.

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