Sudelseite

Verse und andere Gereimtheiten

Kategorie: Gedicht (Seite 1 von 7)

Kleinprosa Hbf

Wie unbarmherzig darf ein Schicksal morden,
Uns schnöd zur Morgenstunde zu entpfropfen,
Aus deinen Kissen gleich und vor die Tür
Zu treiben mich, durch nasses Laub und über
Die kalten Bürgersteige der Provinz.
Wonach dein kleiner Kommunist dann steht
Umwettert grob, am Großenhainer Bahnhof.
Und grollt, weil die AG der Deutschen Bahn
Verspätet ist um zwanzig ewig blöde
Minuten gar, dass er selbst friert gepackt
In deine durch Polackenkippen arg
Verrauchte multifunktionale Jacke,
Wo er stattdessen doch viel lieber noch
Umschlungen wär von deinen Armen, weich
Gedrückt an deinen schönen Busen, Liebste!

Der Pool lag im Schatten

Wir tafelten herum,
Vergessene Attrappen,
Die Szene matt und stumm.
Zu träg, uns zu berappen,

Verströmten wir getrennt,
Was wir einander hatten,
Die Träume insolvent,
Der Pool lag im Schatten.

Skandal à la Carte

Man fühlte sich zunächst beinah erschreckt
Und witterte für einen Augenblick Revolte.
Jedoch das Feigenblatt hielt nichts versteckt
Von dem, was hinter Kunst nicht stehen sollte.
Dies wurde mit Erleichterung entdeckt
Von einer Jury, die nichts finden wollte.
Das Ärgernis, ganz nach der Art gediehen,
Bekam für diese Pietät den Preis verliehen.

Der Blickfang

Mein Blick verfehlte knapp sein Ziel,
Drauf er in deinen Ausschnitt fiel,
 
Wo er, in seinem dunklen Drang,
Auf steilem Pfad hinab sich schlang.
 
Auf einmal aber hing er fest,
Da wartet er nun auf den Rest.

Das Interview

Jeder Mensch bedarf des Rates
In Betreff gemeiner Sitten.
Und er leiht sich oft probates
Muster danach aus bei Dritten.
 
Bei berühmten Regisseuren,
Mannequins und Rennpiloten,
Volksvertretern, selbst Friseuren,
Alle überangeboten.
 
Die beschwatzt ein nie verzagter
Mittelsmann: der Journalist.
Weil ein Jemand (ein Gefragter)
Nicht für uns zu sprechen ist.
 
Drollig dreht sich das Gespann
Unentwegt auf dünnem Eis,
Wie der eine, der nichts kann,
Einen fragt, der gar nichts weiß.

Die höchste Eisenbahn

Des Elends Hofpoet
Hat uns ein Bild gemacht
Vom Ende der Geschichte.

Gleichwohl, es wühlt im Wichte,
Wie er im Bahnhof steht,
Ihm dämmert’s mit der Nacht:

Er ist zu spät.

Er kann das Ticket sparen,
Der Zug ist abgefahren.

Die Musik spielt vom Band

Letzter Feind hat jüngst verloren,
Und er räumt für dich den Platz.
Du trittst frei und ungeschoren
Vor die Stufen des Schafotts,

Wo kein Richter jemals künde
Von der Schuld, die dir verwandt.
Wir, für deine beste Sünde,
Lassen dafür eine Hand.

Für ein Glück, das längst verloren,
Geben wir, was du verlangst.
Deine Welt wird neugeboren
Aus den Tiefen unserer Angst.

Besser als nichts

In deine Stirn versenkten sich
Schon früh die Spuren des Verzichts.
Bedauerlich, denn ein gebroch-
nes Herz ist besser als nichts.

Das eine bleibt, das andre nicht,
Es wäre gleich, doch angesichts
Der Welt für sich ist ein gebroch-
nes Herz viel besser als nichts.

Trübe Fischer

Antraf man die Sardinen,
Wo immer sie erschienen,
Mit unbelebten Mienen.
Schon unterschob man ihnen
Der Niedertracht zu dienen.
Dem ich entgegentrete:
Wen solch Verdacht umwehte,
Der ihn erhärten täte,
Der sei, der solches täte,
Blamiert bis auf die Gräte.

Von hinten grinst der Lurch

Keiner je, der ’s nicht bereut hat,
Wenn er sich zu früh gefreut hat.
Wer nicht lernen will, der staune:
Unser Lurch ist guter Laune!

Noch den großen Bonaparte
Hatte er zuletzt genarrt.
Zeigte sich auf seinem Posten,
Grinste bärtig dort von Osten.

Weit geringere Gestalten
Ließen keine Umsicht walten,
Zogen stur ihr Ding noch durch
Als längst grinste unser Lurch.

Schließlich: Er kennt seine Leute,
Ja er wittert leichte Beute
Auch bei dir – man kann’s verstehn –
Hat man ihn schon oft gesehn.

Seite 1 von 7

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén