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Verse und andere Gereimtheiten

Kategorie: Fund

Neues von der modernen Lyrik II

Hand-Blindniet-Setzgerät mit Öffnungsfeder

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Edelstahl.

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verfahren hergestellt – im indu-
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Neues von der modernen Lyrik

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In treuer Erwartung

Der Vorwurf, dass die Medien lügen ist, umseitig betrachtet, nichts als die paradoxe Forderung, die Presse möge durch das Volk zensiert werden, auch wenn es nicht herrscht.

Als Napoleon im Frühjahr 1815 die Kulissen seines politischen Exils auf Elba umstieß, mit kleiner Suite und nahezu unbewaffnet in Südfrankreich landete, um seinen Anspruch auf den Thron der Franzosen ein letztes Mal zu erneuern, hielt man ihn am Pariser Hof und in dessen Zeitungen für einen Wahnsinnigen. In Paris hatte sich die alte Bourbonen-Dynastie längst wieder kommodiert und dem klüngeligen Treiben die genehme Strömung verordnet. Aber es zeigte sich, dass die französischen Bauern im Rest des Landes wenig Sympathie hegten für die neuen alten Herrscher, denn sie hatten nicht ohne Grund die Wiederherstellung der Boden- und Eigentumsverhältnisse der Jahre vor 1789 zu fürchten. Ihr Schlachtruf: »Es lebe der Kaiser! Nieder mit dem Adel! Nieder mit den Pfaffen!« Die Loyalität des Heeres gegenüber ihrem Soldatenkaiser war ungebrochen. Bonaparte rückeroberte Frankreich ohne dass ein Schuss fiel. Der Marsch von Lyon nach Paris geriet zum Triumphzug.

Die Zeitungen nahmen die Witterung auf nach dem neuen Futternapf. Der sowjetische Historiker Eugen Tarlé spiegelte die Presse zu dieser Episode in seiner Napoleon-Biografie:

»Typisch für ihre Haltung in diesen Tagen war die strenge Konsequenz der ›schmückenden‹ Beiworte, die Napoleon zugelegt wurden, je nachdem, wie weit er schon von Süden nach Norden vorgerückt war. Die erste Nachricht lautete: ›Das korsische Ungeheuer ist in der Bucht von Juan gelandet.‹ Die zweite: ›Der Menschenfresser marschiert auf Grasse zu.‹ Die dritte: ›Der Ursupator ist in Grenoble eingezogen.‹ Die vierte: ›Bonaparte hat Lyon besetzt.‹ Die fünfte: ›Napoleon nähert sich Fontainebleau.‹ Die sechste: ›Seine kaiserliche Hoheit wird heute in seinem getreuen Paris erwartet.‹«

Nach Waterloo hatte der große Mann dann noch einmal Anlass, über die immertreue Anhänglichkeit des Volkes zu staunen, die ihm zeitlebens ein Rätsel bleiben sollte: »Was haben mir diese Leute zu verdanken? In Armut habe ich sie angetroffen, und in Armut lasse ich sie zurück!«


Gefunden in: Eugen Tarlé, Napoleon, Berlin 1961, S.492 u. S.529. Erstauflage 1933.

Die Sache war die

Geschichte wiederholt sich nicht. Die guckt nur blöde aus der selben Wäsche. Aus gegebenem Anlass ein Auszug aus dem erstmals 1933 veröffentlichten Roman Lion Feuchtwangers: Die Geschwister Oppermann (Aufbau-Verlag Berlin 1963, 20 ff.).

»Die Sache war die. Im Anfang hatte Immanuel Oppermann die Möbel, die er verkaufte, nicht selbst hergestellt, sondern sie von Heinrich Wels sen. herstellen lassen, einem jungen, zuverlässigen Handwerker. Als man die Berliner Filialen gründete, die in Steglitz und die in der Potsdamer Straße, wurde die Zusammenarbeit mit Wels schwieriger. Wels war zuverlässig, aber er war gezwungen, zu teuer zu arbeiten. Bald nach dem Tode Immanuel Oppermanns begann man auf Betreiben Siegfried Briegers, des jetzigen Prokuristen, einen Teil der Möbel in billigeren Fabriken herstellen zu lassen, und als die Leitung des Geschäftes an Gustav und Martin [Oppermann] übergegangen war, gründete man eine eigene Fabrik. Für gewisse schwierige Arbeiten, für Einzelstücke, zog man die Welsschen Werktstätten nach wie vor heran: aber den Hauptbedarf des Möbelhauses Oppermann, das sich mittlerweile eine weitere Berliner und fünf Provinzfilialen angegliedert hatte, lieferten jetzt die eigenen Werkstätten.

Heinrich Wels jun. sah diese Entwicklung mit Erbitterung. Er war ein paar Jahre älter als Gustav, fleißig, solid, eigenwillig, langsam. Er gliederte seinen Werkstätten Verkaufsläden an. Musterbetriebe, mit größter Sorgfalt geführt, um gegen die Oppermanns aufzukommen. Aber er kam nicht gegen sie auf. Seine Preise konnten mit denen der standardisierten Oppermann-Möbel nicht konkurrieren. Den Namen Oppermann kannten zahllose Leute, die Fabrikmarke der Oppermanns, das Porträt Immanuels, drang in die äußerste Provinz, der biedere altmodische Text der Oppermannschen Inserate: »Wer bei Oppermann kauft, kauft gut und billig«, war geflügeltes Wort. Überall im Reich arbeiteten Deutsche an Oppermannschen Tischen, aßen von Oppermannschen Tischen, saßen auf Oppermannschen Stühlen, schliefen in Oppermannschen Betten. In Welsschen Betten schlief man vielleicht behaglicher, und Welssche Tische waren dauerhafter gearbeitet. Aber man zog es vor, weniger Geld anzulegen, selbst wenn die erstandenen Dinge vielleicht ein bißchen weniger solid waren. Das begriff Heinrich Wels nicht. Das wurmte ihn in seinem Handwerkerherzen. War der Sinn für Solidität in Deutschland ausgestorben? Sahen diese irregeführten Käufer nicht, daß an seinem, Wels‘, Tisch ein Mann achtzehn Stunden gearbeitet hatte, während das Oppermannsche Zeug Fabrikware war? Sie sahen es nicht. Sie sahen nur, bei Wels kostete ein Tisch vierundfünfzig Mark und bei Oppermann vierzig, und sie gingen hin und kauften bei Oppermann.

Heinrich Wels verstand die Welt nicht mehr. Seine Erbitterung stieg.

In den letzten Jahren allerdings wurde es besser. Eine Bewegung brach sich Bahn, die die Erkenntnis verbreitete, daß das Handwerk dem deutschen Volkscharakter besser entsprach als der normalisierte internationale Fabrikbetrieb. Nationalsozialistisch nannte sich diese Bewegung. Sie sprach aus, was Heinrich Wels längst gespürt hatte, daß nämlich die jüdischen Warenhäuser und ihre gerissenen Verkaufsmethoden schuld waren an Deutschlands Niedergang. Heinrich Wels schloß sich der Bewegung von ganzem Herzen an«.

Als Motto dem Roman vorangestellt Goethe:

»Das Menschenpack fürchtet sich vor nichts mehr als dem Verstand. Vor der Dummheit sollten sie sich fürchten, wenn sie begriffen, was fürchterlich ist.«

Katalonien

Man kann gar nicht zu viel von einem Dichter erwarten. Nicht unbedingt von dessen Person, in jedem Fall aber von dessen Werk. Ich schäme mich beinahe, dass ich auch noch erstaunt darüber war, bei Wilhelm Busch alles Wesentliche zum Konflikt zwischen Spanien und Katalonien gefunden zu haben:

Der weise Schuhu

Der Schuhu hörte stets mit Ruh,
Wenn zwei sich disputierten, zu. –
Mal stritten sich der Storch und Rabe,
Was Gott, der Herr, zuerst erschaffen habe,
Ob erst den Vogel oder erst das Ei.
»Den Vogel!« schrie der Storch.
»Das ist so klar wie Brei!«
Der Rabe krächzt: »Das Ei, wobei ich bleibe;
Wer’s nicht begreift, hat kein Gehirn im Leibe!«

Da fingen an zu quaken
Zwei Frösch‘ in grünen Jacken.
Der eine quakt: »Der Storch hat recht!«
Der zweite quakt: »Der Rab‘ hat recht!«

»Was?« schrien die beiden Disputaxe.
»Was ist das da für ein Gequakse?« –
Der Streit erlosch. –
Ein jeder nimmt sich seinen Frosch,
Der schmeckt ihm gar nicht schlecht.

Ja, denkt der Schuhu, so bin ich!
Der Weise schweigt und räuspert sich!

Meinungsfreiheit

WILDTÖTER: »Jeder Mensch darf seinen Geschmack haben, wie es das Recht des Eichhörnchens ist, sich über einen Leoparden seine Meinung zu bilden.«

HURRY HARRY: »Freilich, bloß ist es vielleicht nicht angebracht, dass das Eichhörnchen dem Leoparden seine Meinung unter die Nase reibt.«

(James F. Cooper, Der Wildtöter, S.13, Verlag Neues Leben Berlin, 1967)

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