Sudelseite

Verse und andere Gereimtheiten

Autor: Sudelseite (Seite 2 von 26)

Baumschule

Ein Zweig ist kein Nest.

Die Musik spielt vom Band

Letzter Feind hat jüngst verloren,
Und er räumt für dich den Platz.
Du trittst frei und ungeschoren
Vor die Stufen des Schafotts,

Wo kein Richter jemals künde
Von der Schuld, die dir verwandt.
Wir, für deine beste Sünde,
Lassen dafür eine Hand.

Für ein Glück, das längst verloren,
Geben wir, was du verlangst.
Deine Welt wird neugeboren
Aus den Tiefen unserer Angst.

Überfluss

Zwei Replikatoren bitte!

Besser als nichts

In deine Stirn versenkten sich
Schon früh die Spuren des Verzichts.
Bedauerlich, denn ein gebroch-
nes Herz ist besser als nichts.

Das eine bleibt, das andre nicht,
Es wäre gleich, doch angesichts
Der Welt für sich ist ein gebroch-
nes Herz viel besser als nichts.

Staatsvernunft

Bevor du einen Vogel fangen gehst, baue einen Käfig.

Drei Mal Leidenschaft

Die einen verzehren.
Andere spielen mit dem Essen, bevor sie es verzehren.
Wieder andere spielen mit dem Essen, bevor sie es nicht verzehren.

Der Intellektuelle

Er war so überaus vergrübelt,
Was man ihm voller Graus verübelt.

Trübe Fischer

Antraf man die Sardinen,
Wo immer sie erschienen,
Mit unbelebten Mienen.
Schon unterschob man ihnen
Der Niedertracht zu dienen.
Dem ich entgegentrete:
Wen solch Verdacht umwehte,
Der ihn erhärten täte,
Der sei, der solches täte,
Blamiert bis auf die Gräte.

Von hinten grinst der Lurch

Keiner je, der ’s nicht bereut hat,
Wenn er sich zu früh gefreut hat.
Wer nicht lernen will, der staune:
Unser Lurch ist guter Laune!

Noch den großen Bonaparte
Hatte er zuletzt genarrt.
Zeigte sich auf seinem Posten,
Grinste bärtig dort von Osten.

Weit geringere Gestalten
Ließen keine Umsicht walten,
Zogen stur ihr Ding noch durch
Als längst grinste unser Lurch.

Schließlich: Er kennt seine Leute,
Ja er wittert leichte Beute
Auch bei dir – man kann’s verstehn –
Hat man ihn schon oft gesehn.

An Prometheus

Da, wo der Mensch sich befreit sieht, strebt er entfesselt zum Throne.
Doch das Entfesselte wird selten das Menschliche sein.

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